Freispruch für Harry Wörz – Wann wird der wahre Täter offenbart – und angeklagt?

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Wer dieses Verbrechen am 29. April 1997 in Birkenfeld verübt hat, muss starke Nerven haben. Stark genug, um seine Schuldgefühle niederzuringen – sofern er denn ein Gewissen hat.

Sein Opfer, Andrea Z., eine damals 26 Jahre alte Polizistin, hat überlebt – aber nur physisch. Sie ist seither schwerst hirngeschädigt, ein hilfloser Pflegefall. Sie wird nie mehr aussprechen können, wer sie in dieser Nacht nahezu zu Tode strangulierte.
Ihr 2 Jahre alter Sohn erlebte das Verbrechen mit, doch auch er wird sich nicht erinnern können, wer ihm da die Mutter wegnahm.
Genommen wurde dem Kind auch der Vater – als zu Unrecht Verdächtigter.
Harry Wörz wurde am 16. Januar 1998 in einem skandalös kurzen Prozess nach ebenso skandalösen „Ermittlungen“ vom Landgericht Karlsruhe zu 11 Jahren Gefängnis wegen versuchten Totschlags verurteilt.
Was Polizei und Justiz da trieben, stank so zum Himmel, dass ein ganzes Dorf sich mit dem Verurteilten solidarisierte.
Freunde von ihm dokumentierten den Skandal auf einer eigens für Wörz eingerichteten Website: www.harrywoerz.de
Ohne diese Unterstützung hätte Wörz seine „Strafe“ abgesessen, von sich aus hätte die Justiz nichts bereinigt.
Nun aber, 12 Jahre später, hat das Landgericht Mannheim Harry Wörz in einem neuen (Indizien-) Prozess mit insgesamt 40 Prozesstagen freigesprochen.
Wäre der ursprüngliche Prozess in Karlsruhe von den damaligen Richtern so sorgfältig geführt worden wie jetzt der Prozess in Mannheim, hätte man Wörz schon damals frei sprechen müssen.
So ist das Urteil von Mannheim auch eine schallende Ohrfeige für die Pfuscher am Landgericht Karlsruhe.

Man kann nur hoffen, dass der wahre Täter doch noch offenbart wird -oder sich selbst offenbart.
Er sah, wie er mit seiner Tat das Leben mehrerer Menschen zerstört hatte und er wusste, dass ein Unschuldiger für sein Verbrechen büßen musste.

Viel spricht dafür, dass er aus den Reihen der „ermittelnden“ Polizei in Pforzheim kommt.
Ebenso viel spricht dafür, dass Wörz das Opfer eines „kollegialen“ polizeilichen Komplotts wurde.

Wer wissen will, wie die deutsche Justiz funktioniert, sollte sich eingehend mit diesem Fall beschäftigen.
Dass Wörz von der Justiz jetzt freigesprochen wurde, kann kein Freispruch für die Justiz selbst sein.
In unzähligen anderen Fällen bleibt ihren Opfern nur die Ohnmacht.

Auf der Website harrywoerz.de finden sich auch viele Presseberichte. Interessant ist etwa der Newsletter des Instituts für Kriminologie und Strafrecht der Uni Freiburg.
Erstaunlicherweise werden in diesem Newsletter zum Fall Wörz die vollständigen Namen anderer beteiligter Personen genannt.

Zu empfehlen sind u.a. auch die Artikel von Peter Brock in der Berliner Zeitung und von Gisela Friedrichsen im Spiegel.

UPDATE: Die eigentliche Sensation des heutigen Urteils ist nicht der Freispruch von Wörz. Damit hatten alle Prozessbeobachter gerechnet.

Die Kammer hält es für wahrscheinlich, dass Thomas H. der Täter war.

Dass dies in der Urteilsbegründung so deutlich gesagt werden würde, damit hatten auch wir nicht gerechnet. Damit ist nämlich noch etwas anderes sehr wahrscheinlich:

Dass es innerhalb der damals „ermittelnden“ Polizei in Pforzheim ein Komplott gab, um den Kollegen Thomas H. – er ist heute Polizeikommissar – vor strafrechtlicher Verfolgung zu schützen und gleichzeitig einen Unschuldigen büßen zu lassen.

Nur so nämlich lassen sich die unzähligen polizeilichen „Pannen“ , etwa das Verschwinden von Beweistücken bzw. Asservaten erklären.

Wird es nun zur Anklage gegen den Polizisten kommen – wegen Mordversuchs und Verdunkelung der Tat durch Missbrauch seiner polizeilichen Position?

Werden weitere Verantwortliche wegen Beweismittelvernichtung, wegen Strafvereitelung im Amt, wegen Rechtsbeugung, wegen Verfolgung eines Unschuldigen zur Rechenschaft gezogen?

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Man sollte sich trotz dieses Urteils keinerlei Illusionen über die Justiz machen. Über ein Jahrzehnt hinweg spielten allzuviele Juristen mit und betrieben den Schulterschluss mit den Kollegen der Pforzheimer Polizei – obwohl schon in den allerersten Tagen dieses Kriminalfalles alles nach einem Polizeikomplott roch.

Um an die vielen Verantwortlichen zu erinnern, zitieren wir aus der Begründung des ersten Urteils. Gefällt und gesprochen hatte es Richter Heinz Hoefer.
Er war damals Vizepräsident des Landgerichts Karlsruhe, der Prozess gegen Wörz war sein letzter.

 

>Strafmildernd fiel ins Gewicht, daß der Angeklagte nicht vorbestraft ist und bislang ein sozial völlig angepaßtes Leben geführt hat.
Er befindet sich erstmals in Haft und ist in hohem Maße strafempfindlich.
Für den Angeklagten sprach ferner, daß er den Drosselungsangriff auf seine Ehefrau ohne Vorplanung aufgrund eines erst im Schlafzimmer von Andrea Z. gefaßten Tatentschlusses beging.
Die Kammer hat dem Angeklagten dabei auch zugutegehalten, daß er sich zur Tötung seiner Ehefrau möglicherweise aufgrund einer gewissen affektiven Erregung entschlossen hat, die sich im Zuge der verbalen Auseinandersetzung mit seiner Frau aufgebaut hat.
Strafschärfend fand demgegenüber die hohe kriminelle Energie Berücksichtigung, mit der der Angeklagte gehandelt hat. Er hat seine Frau in Anwesenheit des gemeinsamen Sohnes brutal mindestens 3 Minuten lang mit dem Wollschall gedrosselt, bis sie zusammenbrach und das Bewußtsein verlor.
Straferschwerend mußten sich schließlich die äußerst schwerwiegenden, vom Angeklagten verschuldeten gesundheitlichen Folgen der Tat für Andrea Z. auswirken. Durch die Tat des Angeklagten ist Andrea Z. zu einem lebenslangen „Pflegefall“ geworden.

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Unter Abwägung aller für und gegen den Angeklagten sprechenden Umstände erachtete das Schwurgericht die Verhängung

der Freiheitsstrafe von 11 Jahren

für erforderlich, aber auch für ausreichend, um die Schuld des Angeklagten angemessen zu sühnen.< [Hervorhebungen von uns]

Was kann man nun eigentlich „strafmindernd“ für Heinz Hoefer und einige Dutzend weitere Rechtsverdreher ins Gewicht fallen lassen?

Wer mehr über den Kriminalfall Wörz und die wahren Kriminellen erfahren will, möge das Buch von Jörg Kunkel und Thomas Schuhbauer lesen: „Justizirrtum! Deutschland im Spiegel spektakulärer Fehlurteile„. Man kann sich die „tiefen Risse“ in der „rechtsstaatlichen Ordnung“ gar nicht tief genug vorstellen.

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