Der Fall Thies F. – Landgericht Kassel urteilte mild über Folter und Mord

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Käme der Faschismus zurück, so stünden auch KZ-Schergen wieder bereit.
Dieser Gedanke kommt einem, wenn man die erschütternde Leidensgeschichte eines gutmütigen, jungen Mannes liest, der vor 6 Jahren im Landkreis Kassel Opfer eines skrupellosen Ehepaares wurde.
Zu lesen ist das heute bei spiegel-online.de.
Thies F. wurde ausgebeutet, missbraucht, erniedrigt, gefoltert und zuletzt ermordet.
Warum die Umgebung (ein „biederes Idyll“) davon nichts merkte und nicht eingriff erscheint unbegreiflich.

Der Peiniger und Mörder des jungen Mannes, Werner H. aus Grebenstein-Udenhausen, kam vor dem Landgericht Kassel mit einer „milden Strafe“ davon – so wertet Julia Jüttner in ihrem Artikel jene 8 Jahre und 3 Monate, zu denen der Soziopath verurteilt wurde.

Nachfolgend Auszüge aus diesem Artikel:

>Thies F. ist für die Familie eine Einnahmequelle: An dem Tag, an dem seine Arbeitslosenhilfe und sein Wohngeld überwiesen werden, steht das Ehepaar mit ihm am Geldautomaten und kassiert die 535 Euro. Wenn eine Autoreparatur oder andere Anschaffungen fällig sind, schickt Werner H. Thies auf den Kasseler Homosexuellen-Strich am Weinberg. Thies pariert aus Angst, wehrt sich nicht, vertraut sich keinem an.
Laut Staatsanwaltschaft hielt das Ehepaar H. Thies „in einer sklavenähnlichen Stellung“. […]

Am 6. Juli 2003 prügelt Werner H. den Akten zufolge grundlos zunächst mit den Fäusten auf Thies ein, schnappt sich dann einen Schemel und schlägt diesen so lange auf Thies‘ Kopf, bis der Holzhocker zerbricht. Thies erleidet schwere Knochenbrüche am Kopf und im Gesicht. Er kann sich nicht mehr bewegen.

Eineinhalb Tage lassen die H.s den blutenden Schwerstverletzten liegen. Irgendwann verliert Thies das Bewusstsein. Am Abend des 7. Juli rufen sie ein befreundetes Paar an, Alexander E. und Jennifer K. Gemeinsam entscheiden sie, Thies auszusetzen. Zuvor schneiden sie ihm noch ein Ohr ab. Michaela H. soll es danach auf einem Grill verbrannt haben.

In der Nacht zum 8. Juli, Thies‘ 30. Geburtstag, schleppen sie den Schwerverletzten gegen 22.30 Uhr in den VW-Bus der Familie. „Er hatte Tränen in den Augen und sagte, dass er noch einmal seine Mama sehen wollte“, sagte Jennifer K. im ersten Prozess.

Während der Fahrt erliegt Thies seinen Verletzungen. Den Leichnam wirft das Quartett in der Nähe eines Parkplatzes an der B 7 bei Lengröden hinter einen Holzstapel.

Zehn Tage später, am 18. Juli, wird Thies‘ Leichnam entdeckt. Er landet als „unbekannter Toter“ in der Gerichtsmedizin von Jena.<

Nun hob der Zweite Strafsenat des BGH das „rechtsfehlerhafte“ Urteil auf.

Es komme eine Verurteilung wegen Totschlags oder wegen Mordes in Betracht.

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